Die verlorenen Worte

 Die verlorene Sprache – meine Geschichte – meine Dämonen

Du magst Sprache nicht. Das kann ich sehr gut verstehen.

 

Ich habe Sprache gehasst, denn sie zeigte mir meine Ohnmacht. Meine Ohnmacht mich auszudrücken. Sie liess mich fühlen, dass mein Empfinden, was Texte besagen oder besagen wollen, so ganz anders war, als die anderen – die Lehrer – sie interpretierten. Und wenn ich in der Schule was sagen sollte, gefragt wurde, dann war sie oftmals weg, verweigerte sich, wenn ich der Antwort nicht 200 Prozent sicher war, die Augen des Lehrers auf mich gerichtet fühlte. Die Fragen kamen mir nicht liebevoll oder mich liebend sehend entgegen. Ich stand eher vor einem Tribunal, das gleich über mich richten würde, vermutlich meinen Tod bereits beschlossen hatte. Schuldig der Ratschluss – und keiner sagte mir, worin meine Schuld bestand.

Was stets blieb, waren meine traurigen Augen und die Gewissheit in meinem Herzen, dass ich eine Antwort, ein Wissen in mir trug.

Grund genug, in der Schule nicht ein einziges Mal meine Hand zu heben, mich zu Wort zu melden und folglich meine schulischen Fähigkeiten ganz auf die Mathematik zu verschieben. Hier  gab es bei den Lehrern nur ein richtig oder falsch. Feine Sache also – kein Diskutieren!

 

Die Lehrer liebten mich nicht, denn sich am Unterricht nicht zu beteiligen, und dabei nicht dumm zu sein, war für sie ganz offenbar eine Beleidigung. Sie waren ratlos, ratlos wie meine Mutter, die mich auch nicht verstand und sich bei jedem Elterngespräch abholte, dass das Kind nicht spricht, zwar artig aber eben wortkarg und verschlossen ist.

Aufsätze schreiben, einen Vortrag vor der Klasse halten und sprechen, war der blanke Horror, denn was gingen die Lehrer schon meine geheimsten Gedanken, Sehnsüchte und Gefühle an. Lügen wollte ich nicht, die Wahrheit sagen, meine eigene Geschichte erzählen wollte ich noch weniger.

So zog ich mich immer mehr in mich zurück, war froh, wenn meine Geschwister sprachen, schrien und erzählten und ich möglichst aus der Schusslinie, der Aufmerksamkeit raus war. Und so wurde ich immer mehr zu einem schweigsamen, introvertierten Kind, angepasst und freundlich – schüchtern und brav. Wohlerzogen eben! Und mit unbemerkter Wut im Bauch – versteht sich.

 

Ich beobachtete die Welt, die Menschen, denn sie mussten mir doch irgendwie zeigen, wie man mit ihr umgehen konnte, wie man sich zu verhalten hatte, was gewünscht war, was man zu sagen hatte.

Schweigend lernte ich – meiner Instinktnatur  vertraute ich immer weniger.

Ich produzierte die gewünschten Antworten, lernte die Menschen zu lesen, ihnen und ihrem möglichen Verhalten immer einen Schritt voraus zu sein. Schnell lernte ich mein Gegenüber einzuschätzen, zu erkennen, entdeckte Schwachstellen, Ungereimtheiten und wenn ich jetzt was sagte, sagen musste, waren meine Kommentare und Aussagen diamantklar, spitz, auf den Punkt, richtig, wahr – und dennoch oft verletzend.

 

Sprache war definitiv nicht meine Sache und wie sehr ich an meiner Ausdrucks-und Sprachlosigkeit litt, versteckte ich selbst vor mir immer tiefer. Ich fühlte mich unverstanden und wenn meine Mutter sagte, ich weiss, was du meinst, machte mich das innerlich bloss wütend, denn ich hatte gar nicht den Eindruck, dass sie mich verstand, mir jene Antworten gab, die sich meine Seele, mein neugieriger und suchender Geist erhofft hatte. Sie gab mir Anweisungen, Antworten aus ihrem Leben, einer Welt, die mir fremd war.

Und natürlich zweifelte ich nicht an ihr und der Welt, ich zweifelte an mir, meinem Verständnis. Mein Selbstwert rutschte in den Keller.

Immer weniger kam aus mir raus, die innere und äussere Einsamkeit wurde grösser, bedrückender. Es wurde still in mir – und traurig und schwer. Leben nein danke!

 

Nichtsdestotrotz blieb mein Wille zu Lernen, mein Wissensdrang, meine Neugier auf Leben und wie es funktioniert, meine Faszination über unsere Psyche, unsere Seele, meine Bereitschaft zu Lieben und mich mit Menschen zu verbinden ungebrochen. Ich reiste in fremde Sprachgebiete und konnte mich da wunderbarerweise etwas leichter mit Menschen verständigen, ihnen offener begegnen. Dass man das gleiche in so unterschiedlicher Weise ausdrücken konnte, jede Sprache ihren eigenen Umgang mit Leben, Kultur und Welt hatte,  faszinierte mich.

Meine Freude an Sprache und Ausdruck begann am Ende meiner offiziellen Schulzeit zu wachsen. Mein Gefühl für Sprachen begann sich zu regen.

 

Ich begann zu lesen. Ohne Buch in meiner Tasche ging ich nicht aus dem Haus. Man kann sich ja auch so schön dahinter versteckten. Ich bevölkerte mich mit fremden Personen, versetzte mich in ihre Situation, ihre Beziehungen, ihre Gefühle, ihre Gedankenwelten, ihre Träume, ihre Realitäten. Meine innere Welt wurde reicher und farbiger, mein Herz badete. Meine Seele badete je mehr ich Autoren entdeckte, die meine Sprache zu sprechen schienen, die den selben Geschichten und Geheimnissen auf der Spur waren, die mich im Innen berührten und beschäftigten.

 

Ich hatte meinen eigenen Kosmos, gestrickt aus Wörtern, die in meinem inneren schön und geheimnisvoll klangen, leise etwas berührten und nährten. Sätze, Wörter, Wortspiele, Weisheiten gingen mir unter die Haut und mit nichts konnte man mich so verletzen wie mit lieblosen, achtlosen Worten. So wie Wörter mich sanft berühren konnten, konnten sie wie spitze Glassplitter in meinem Körper stecken bleiben, mit blutender schmerzender Kraft mich bis ins tiefste verletzen. Und mit Wörtern, Gedichten, Sprache konnte man mich fangen, fesseln, verführen. Wenig beschenkt mich mehr als die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt vom richtigen Menschen gesprochen oder geschrieben, gemailt oder gesimst.

 

Ein Schatz an Wörtern, an Wissen, an fremdem Leben sammelte sich in mir an.  Ich sog es auf wie ein trockener Schwamm…………… und behielt es in mir, wohl verschlossen und kein Sterbenswort verratend.

 

Dann mit 23 – ich schnupperte bereits ein bisschen an dem, was die Erwachsenen den Ernst des Lebens nennen – hatte ich jobhalber wöchentlich einen Telefontermin mit einem Journalisten, Radioberichterstatter und Publizisten in Genf. Seine Stimme – radiogeschult, sonor und weich – seine Ausdrucksweise klar – sein Lachen, als würde ein beleibter Buddah seinen gewaltigen Bauch hopsen lassen………………… „Mädchen, mach was aus deinem Leben, du bist jetzt am falschen Ort“ sagte er immer häufiger am Ende unserer Unterhaltung. „Und ich kenne jemand am Institut für Angewandte Psychologie und ich möchte gerne, dass du da hingehst und dich beraten lässt.“ Mehr als ein Jahr hat der gute Mann an mir gearbeitet, bis ich mich breitschlagen liess und einen mehrtägigen Eignungstest absolvierte. Keine Frage für mich – ich würde Mathematik studieren oder in der Buchhaltung landen………………

 

Dann nach einigen Wochen das Ergebnis: Mein Berater kam ins Zimmer, setzte sich mir gegenüber, schaute mir lange in die Augen und sagte dann: „Du bist hochgradig sprachbegabt und du fährst dauernd mit angezogener Handbremse“.

Ich fiel beinah vom Stuhl. Meine Welt hatte sich gerade um 180 Grad gedreht.

 

Weniger später begann ich mein Sprachstudium, studierte Deutsch, Englisch und Französisch, Literatur, Pädagogik, Psychologie, Philosophie und hatte zum ersten Mal in meinem Leben einen Schuldirektor und Lehrer, der von Dingen so begeistert und faszinierend sprach, dass ich all seine Fächer belegte. Er benannte Bücher, die ich erst viel später lesen sollte. Er hinterliess als erster Lehrer heilende Spuren in meinem Leben.

 

Das geschriebene Wort, wurde meine Heimat. Reden war noch immer nicht mein Ding.

 

Als ich einem Freund während er am Telefon beschäftigt war, sein Editorial umschrieb, bekam ich nachdem er fertig gestaunt hatte, gleich ein Angebot als journalistische Freelancerin. Ich lernte die entscheidenden Fragen zu stellen und wurde bald auch für Interviews losgeschickt. Das verschaffte mir Zugang in viele Bereiche. Ich schrieb knochentrockene fachliche Texte, ich schrieb unterhaltsam leicht und flockig fürs Feuillton, schrieb, redigierte und komponierte Mode- und Wohnbeilagen, Liefstyleartikel,  Ratgeber…… Ich schaute in die Kochtöpfe grosser Köche, übersetze ihren Gaumenkitzel in Sprache. Ich landete in der Chefredaktion einer bekannten Wohnrevue und lernte die Welt und die Gegenstände durch die Augen sämtlicher bekannter Möbeldesigner dieser Welt zu sehen, versuchte ihrem Sehen, ihrem Ausdruck Sprache zu geben. Ich beriet Detaillisten im Umgang mit Kunden, lernte sie ihren Beruf zu lieben und wertschätzend darüber zu sprechen.

 

Und noch immer war ich in meinem Privatleben zurückhaltend und nicht sehr gesprächig.  Öffentliches Reden – ein Gräuel.

 

Die nächste Herausforderung blieb nicht aus. Eine PR-Stelle wurde mir angeboten und ich sagte zu. Ich schrieb fremden Managern Reden auf den Leib, übte mit Ihnen Sprechen, Vortragen, Kommunizieren, Auftritte in  Radio und Fernsehen.  So manches Mal ärgerte ich mich darüber, wenn dann vor Publikum gar nicht mehr das aus dem Mann raus kann, was wir so eingehend einstudiert hatten. Auch wenn ich so hin und wieder leise gedacht habe, da hättest du dich doch lieber selber vors Mikro gestellt, alleine die Vorstellung davor, liess mich verstummen. Ich arbeitet gerne im Hintergrund, blieb unerkannt und unsichtbar.

In meinen 30igern lernte ich gemeinsam mit meinen Kindern sprechen, singen, tanzen und das Geschichtenerzählen.

Menschen – mein Partner führte eine Arztpraxis – begannen mir am Telefon ihre Geschichten zu erzählen. Ich hörte ihr Leid aber auch, dass sie in ihrem Erzählen bereits um die Antwort, ihren ganz eigenen Heilungsweg wussten. Die Sprache, die Art wie Menschen ihre Geschichten erzählen, Wörter wählen, ihr Sprechrhythmus, ihre Stimmlage, ihr Atem, ihre Satzkonstruktionen erlauben mir Einblicke in ihre Seele, ihre Lebensreise, ihre Nöte. Körperliche Symptome wiesen über sich hinaus, erzählten mir offenbar andere Geschichten als den Medizinern, offenbarten schon damals tiefere Zusammenhänge.

 

Lange Jahre lauschte ich, hörte zu, war still, versuchte zu ignorieren, was ich wahrnahm und innerlich wusste. Ich misstraute mir noch immer, hätte mich zu jener Zeit als nicht wahrnehmendes Wesen bezeichnet und mein Umfeld schien all das Unausgesprochene, Unbenannte, unsichtbar Mitschwingende im Lebensgewebe nicht zu interessieren. Brachzeit.

Rückzug ins Schreiben, die heimliche Liebe, meinen eigenen Such- und Lebensweg.

Äusserte ich etwas über meine Wahrnehmung, meine Ahnung, wurde ich belächelt, später als Spinnerin bezeichnet. Die Natur und meine Bücher wurden mir bessere Gesprächspartner als meine Mitmenschen.  Argumentieren, Diskutieren, recht haben wurden mir langweilig und ich sehnte mich nach Menschen, die Leben, Situationen gemeinsam mit mir erkunden, erforschen, durchdringen wollten, Projekte vorwärts bringen. Die Dinge hinter den Dingen interessierten und faszinierten mich, die Geschichten hinter den Geschichten, die Worte hinter den Wörtern, das Gewebe zwischen den Zeilen, den Sätzen, den Zeichen……………… In mir dämmerte, dass wir, jeder von uns, immer nur von und über sich selbst spricht, sich in seinem Reden zeigt, sein Weltverständnis darlegt, mich mit seinen Worten einlädt, magst du es nicht auch so sehen? Dass wir immer entweder Leidens- oder Heilsgeschichten erzählen.

 

Etliche Weiterbildungen und ein langer spiritueller Weg mit Berater-, Lehrer-, Meisterausbildung, als Heilerin und Therapeutin, Coach, Wegbereiterin und Wegbegleiterin  brachten mich endlich zu meinem Ursprung zurück.  Zur Sprache! Zu den heiligen Geschichten! Zu meinem Erbe!

 

„Am Anfang war das Wort.“

 

Mit meiner Stimme und meiner Sprache heile ich. Mit Sprache öffne ich Räume, gestalte ich Realität. Über Sprache führe ich, mit Sprache berühre ich, rühre ich an. Mit Sprache verschenke ich mich.

Sprache macht mich sichtbar.

Mit Sprache verkörpere ich mich

verankere ich mich nicht zuletzt wieder ganz tief in meinem Körper

seinem Rhythmus

meiner Seelenheimat

 

 

Bei den Schamanen habe ich gelernt, meine eigene Leidensgeschichte in eine Heilsgeschichte zu verwandeln. Und die Schamanen sagen, wer seine Medizin gefunden hat und sie besitzt, kann sie auch für andere nutzbar machen. Die wilde instinktsichere Wolfsfrau in mir ist erwacht. Die Geschichtenerzählerin, die Wissende, die Heilerin.

 

Der Bann, der sich über meine Sprache gelegt hat, ist endlich gebrochen. Lebensfluss ist Sprachfluss.

Seelensprache, Herzenssprache, Alltagssprache – in jedem Wort ist alles enthalten. Mit jedem Wort zeige ich mich, verschenke ich mich, erschaffe ich mein Leben. Ein wildes, poetisches, leidenschaftliches, glückliches, eigenmächtig gelebtes, authentisches, freies Leben.

 

Ich liebe die Menschen auch wenn ich mich manchmal immer noch ein bisschen vor ihnen und ihren Wörtern, Aussagen fürchte. Ich sage meine Meinung, ich kenne meinen Wert, bekenne mich zu meiner Wahrheit. Das bringt mich zum Klingen.

 

Seit vielen Jahren coache ich Menschen und Unternehmen mit den unterschiedlichsten Blockaden, Schwierigkeiten, Missionen. Was ich dabei gelernt habe – jeder von ihnen hat was zu sagen. Jede Stimme zählt. Auch deine Botschaft ist wichtig! Finde Sie, lebe sie, verkörpere sie. Mitfühlend und ausgerichtet begleite ich dich in die Macht deiner Sprache.

 

Ich möchte deine Geschichte hören. Ich möchte deine Stimme hören, dir helfen, deine Stimme, deine Sprache, deine Botschaft zu finden und sie mit der Welt zu teilen.

Sprache ist Macht. Sprache ist Schöpfung. Sprache ist eines der wesentlichsten Werkzeuge um uns auszudrücken, mitzuteilen, in den eigenen Lebensrhythmus, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.

 

Wenn du neugierig bist auf dich, wenn du es dir wert bist, zeige ich dir gerne und in deinem Rhythmus, wie du dich ganz auf dein Leben, deine einzigartigen Qualitäten einschwingst. Wie du in Sprache bringst, was du mit deinem Leben und Sein ausdrücken magst.

 

Ich habe bislang noch keinen Stotternden gesehen, der ein „Sprachproblem“ hatte. Ich habe wunderbare Wesen gesehen, denen es die Sprache verschlagen hat. Menschen, die wie ich einmal gelernt haben, nicht mehr zu fühlen, nicht mehr wahrzunehmen. Menschen, die in sich, in Situationen und in der Sprache gefangen sind aus den unterschiedlichsten Gründen. Menschen, die sich nicht verstanden, nicht geliebt, nicht wert fühlen.

 

Ich bin den Weg aus der Isolation, aus der Dunkelheit ins Licht gegangen. Ich habe auf meinem Weg Werkzeuge eingesammelt aus der Medizin, der Psychologie, der Hirn- und Sprachforschung, aus den geistigen Welten. Heute weiss ich, dass ich mit einem einmaligen Angebot da stehe um andere begleiten zu dürfen.

 

Kraft finden aus den Zyklen des Lebens, Heiligkeit = Freiheit wieder herstellen. Erschöpfung und Kampf aufgeben und in der Kraft in uns schwimmen können. Einschränkungen durch Handlung /Sprache überwinden lernen. Impulse wieder finden. Grösser spielen. Brücken finden, die wir noch nicht gegangen sind. Lernen ich bin nicht Opfer, ich kann was bewegen. Ich kann mich jederzeit frei äussern.

 

Ja, manchmal ist es anstrengend sich selber zu spüren!

Ja, manchmal muss unser Körper als erstes wieder verstehen lernen, dass er es schaffen kann!

Und Ja, Hilfe und Führung anzunehmen ist ein mutiger Schritt!

 

Ich freue mich auf dich

 

In wilder Liebe: Kyra

 

PS: und ich schaue dich liebevoll an und ich frage dich sanft: welche Geschenke hast du mit auf diese Erde gebracht? Und ich freue mich, wenn dich diese Frage, das liebevolle Gesehen werden bereits ein Stückchen wachsen lässt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Newsletter